Wenn Clowns Lach-Medizin verteilen

Gestatten: Pimpinella und Cilli-Lilli. Die beiden sehen lustig aus mit ihren roten, tomatengroßen Nasen, meinen die Kinder auf der Regenbogen-Station. Pimpinella und Chilli-Lilli sind speziell ausgebildete Klinik-Clowns. Sie kommen im Auftrag des Vereins Clowns im Dienst e.V. immer dienstags in die Filderklinik in Bonlanden. Der Tübinger Verein soll in diesem Jahr den Erlös aus der TSV-Weihnachtsaktion „Mal ein Stück Glück“ erhalten.

WeihnachtenOliver Klopsch, der Geschäftsführer des Vereins Clowns im Dienst, erzählt gern eine kleine Anekdote, wenn er nach der Beliebtheit der Klinik-Clowns gefragt wird. „Eine Ärztin überbringt einem ihrer kleinen Patienten die freudige Nachricht: ,Morgen wirst du entlassen.‘ ,Nein‘, antwortet das Kind, ,dann kommen doch die Clowns!‘“ Besonders Kinder, die sich aufgrund ihrer Krankheit wiederkehrend in der Filderklinik aufhalten müssen, versuchen es, „ihre Termine so zu legen, dass sie den Besuch der beiden Clowninnen nicht verpassen“, berichtet Klopsch. „Wir kennen Kinder, die wir seit 2016 immer wieder sehen. Dabei entstehen natürlich auch persönliche Bindungen“, sagt Pimpinella.

Pimpinella und Chilli-Lilli, die im richtigen Leben natürlich richtige Vornamen haben – Stella und Sabine – sind ein eigespieltes Team, das auf beiden Kinderstationen der Filderklinik den Patienten Freude und Lachen bringt. „Damit helfen sie unseren kleinen Patienten, gut und mit Zuversicht durch die doch immer wieder schwierigen Phasen des Krankenhausaufenthaltes zu kommen“, sind sich der Arzt Jan-Gabriel Niedermeier und die Heilpädagogin Leonie Brodmann einig. „Mit großen Augen verfolgen die Kinder gespannt die Zauberkünste und tragen stolz verteilte Herzen durch den Tag.“

Übergabe im Stationszimmer

Bevor aus Stella und Sabine Pimpinella uns Chilli-Lilli werden, erfolgt eine sogenannte Übergabe im Stationszimmer. Die Krankenschwestern berichten über den Krankheitszustand der Kinder und auch, wie sie gerade draufsind an diesem Tag. „Dann schlüpfen wir in unser Kostüm. Sobald ich die Nase aufsetze, bin ich Pimpinella“, erzählt die 48 Jahre alte gelernte Kinderkrankenschwester. Sie und Chilli-Lilli seien ein eingespieltes Team: „Wir verstehen uns aufs Wort.“ Für die unterschiedlichen Altersstufen gebe es unterschiedliche Repertoires, zum Beispiel Schlaflieder für Kleinkinder, Urlaub aus der Tüte für Eltern und Federn für Babys, die im Clownsprech „ökologische Kitzelmaschinen ohne Strom“ heißen.

Pimpinella Chili Junge 3
Pimpinella und Chilli im Einsatz in der Filderklinik. (Foto: Clowns im Dienst e.V.)

Seifenblasen stehen bei Kindern auch hoch im Kurs – seit Corona wegen der Maskenpflicht eine Herausforderung für die Clowninnen. Aber auch die wurde bewältigt. Ein Flamingo-Ventilator erzeugt nun Seifenblasen in einer Menge, „die wir selbst nicht blasen könnten“. Kinder zum Lachen zu bringen, das ist die Medizin, die die beiden Clowninnen in der Filderklinik verabreichen. Das gelingt nicht nur mit Worten, Gesten und Grimassen, sondern auch mit Musik: Mundharmonika, Gitarre, Concertina sind ständige Begleiter. Pimpinella ist noch mit weiteren Kollegen und Kolleginnen in anderen Einrichtungen in Reutlingen und Tübingen tätig. Seit 2019 sei sie „ganz bei den Clowns“ und befindet für sich: „Das ist der beste Beruf, den ich haben kann.“

Besuche auch im Haus am Fleinsbach

Auch im Haus am Fleinsbach in Bernhausen sind Clowns im Dienst. Alle zwei Wochen besuchen zwei Clowns in der Pflegeeinrichtung des Wohlfahrtswerks schwerstkranke, bettlägerige und zum Teil an Demenz erkrankte Menschen. Sie bringen Freude und Leichtigkeit in den Alltag, tragen dazu bei, dem Leben neue Impulse zu geben und wecken Erinnerung an die jeweils eigene Lebensgeschichte. Finanziert wird diese Abwechslung im Alltag gemeinsam durch Clowns im Dienst e.V., den Altenzentren Förderverein Filderstadt sowie das Heim selbst.

„Unsere Arbeit finanziert sich zu 100 Prozent aus Spenden. Diese kommen von Vereinen, Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen. Und von den Fördermitgliedern“, sagt Oliver Klopsch zum Hintergrund der Organisation. Über weitere Fördermitglieder würde man sich freuen. Auch für die Filderklinik gebe es regelmäßig Unterstützer. Zwei Unternehmen hätten sich in jüngster Zeit leider zurückgezogen. „Umso mehr freuen wir uns über den Einsatz der TSV Bernhausen“, sagt Klopsch.

Ausführliche Informationen zu Clowns im Dienst e.V. gibt es auf der Homepage des Vereins.

Wissenswertes zur TSV-Weihnachtsaktion Mal ein Stück Glück steht in diesem Artikel.